Perpetua, die Märtyrerin für Journalisten

von Wolfgang Thielmann

Katholiken haben es mit Namen. Der Namenstag ist ihnen, eigentlich, wichtiger als der Geburtstag. Verbände und Organisationen geben sich Namen von Heiligen und Patronen. Was in der evangelischen Kirche der Chorverband ist, ist in der katholischen der Cäcilienverband. Seine Patronin ist die angebliche Römerin und Märtyrerin Caecilia. Das Patronat über Sänger und Kirchenmusiker beruht allerdings auf einem Übersetzungsfehler, der zu der Legende führte, sie habe auf ihrer eigenen Hochzeit die Orgel gespielt. Leider ist auch Cäcilia selber wohl eine Legende. Sie gehört zu den umstrittensten Fällen der Heiligenverehrung. Das passt: Auch Gesang ist mitunter von Misstönen begleitet.

Zurück zu den Namen: Dem evangelischen Gemeindedienst für Innere Mission steht in der katholischen Kirche die Vinzenzkonferenz gegenüber. Dem evangelischen Büchereiverband entspricht der katholische Borromäusverein, benannt nach dem Mailänder Erzbischof und Gegenreformator Carlo Borromeo.

Daher fiel es katholischen Journalisten nicht weiter auf, dass selbst die Räume des Pressezentrums beim Katholikentag vom 16. bis 20. Mai in den unterirdischen Katakomben des Mannheimer Kongresszentrums die Namen von Heiligen trugen.

Es wunderte nur Uneingeweihte, dass auf einer der Türen stand: „Edith Stein – dpa“ oder „Klara von Assisi – KNA“. Die Frage, ob Klara von Assisi eine Mitarbeiterin der Katholischen Nachrichtenagentur sei, ließ sich schnell aufklären. Die Namen waren eine Idee von Anja Pfeffermann, einer Mitarbeiterin im Mannheimer Büro des Katholikentages. Subversiverweise hatte sie nur Frauen ausgewählt. Das Zimmer mit der kryptischen Bezeichnung „Medienbeobachtung“ trug den Namen von Angela Merici aus dem 16. Jahrhundert. Sie hat angeblich viele kranke Menschen gesund gemacht.

Der „Schreibsaal“, in dem Journalisten ihre Gedanken in elektrische Impulse umwandeln und diese verschicken konnten, trug den Namen „Perpetua“. Das war eine – anders als Cäcilia – historisch sicher identifizierbare Frau aus dem nordafrikanischen Karthago.  Und sie war – was mag das für Journalisten bedeuten? – Märtyrerin, eine der ersten in der Geschichte des Christentums. Sie soll wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen worden sein. Aber das ist wieder eine Legende, ein Fall für die Boulevardmedien der frühen Kirche. So gesehen könnte Perpetua den offiziellen Patron der Journalisten ergänzen, den Bestsellerautor Franz von Sales, der, warum auch immer, zugleich für die Gehörlosen zuständig ist.

Für freie Journalisten von heute ist die auf Perpetua und ihre Sklavin Felicitas gemünzte Bauernregel tröstlich. Eigentlich bezieht sie sich auf ihren Gedenktag, den 7. März. Sie lautet: „Perpetua und Felicitas, die bringen uns das erste Gras.“

 

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“Wir haben nichts mehr zu verlieren”…

von Benjamin Lassiwe

Das Lied war deprimierend. „Wir haben nichts mehr zu verlieren. Die Medizin steht auf dem Nachttisch, diesen Winter werden wir schon überleben.“ Die Sängerin der Auftaktveranstaltung des Mannheimer Katholikentags bemühte Durchhalteparolen. Die Zuhörer auf dem Mannheimer Marktplatz schien das nicht zu stören. Der 98. Katholikentag will einen neuen Aufbruch wagen. „Wir sehnen uns nach einem Aufbruch zu einer menschlicheren, gerechteren und friedlicheren Welt“, sagte Freiburgs Erzbischof Robert Zollitsch im Eröffnungsgottesdienst. „Wir spüren: Unser Lebensstil ist nicht zukunftsfähig. So kann es nicht weitergehen.“
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Wenn plötzlich das Geld kommt…

eine Glosse von Benjamin Lassiwe

Es steht schon im Grundgesetz: Die Staatsleistungen an die Kirchen sollen abgelöst werden. Die Linken haben einen entsprechenden Antrag in den Deutschen Bundestag eingebracht – und auch der Leiter des staatskirchenrechtlichen Instituts der EKD, Hans-Michael Heinig, riet in der vergangenen Woche dazu, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Aber was würde eigentlich passieren, wenn – sagen wir: in zehn Jahren – tatsächlich eine größere Summe Geldes in den Besitz der Kirchen kommt?
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Synodales Saufen

von Benjamin Lassiwe

Mit dem Bier in der Hand entschieden sie über das Schicksal ihrer Bischöfe: Als die Verfassunggebende Synode der neuen Nordkirche Anfang Januar in Warnemünde über die Überführung der vier Bischöfe der bestehenden Kirchen abstimmte, war draußen schon alles für den „Mecklenburger Abend“ vorbereitet. Wein und Bier standen bereit. Und weil es durch den nötigen Druck der Stimmzettel – es war geheime Abstimmung beantragt worden – eine Verfahrenspause gab, bedienten sich die Synodalen am Alkohol.
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Heidnische Weihnachten

von Benjamin Lassiwe

Auf den Motorrädern saßen Weihnachtsmänner und Engel. Mit bunten Lichterketten hatten die Biker des Vereins „Santa Claus on the road“ ihre Gefährte dekoriert, Weihnachtsfreude wollten sie verbreiten. In einem Hotel am Potsdamer Platz in Berlin übergaben sie im Advent Geschenke an das Hospiz „Berliner Herz“, das tödlich erkrankte Kinder auf ihrem letzten Lebensweg begleitet. Eine ganz normale wohltätige Aktion, wie sie überall in der Vorweihnachtszeit stattfindet, könnte man meinen. Eine Aktion, bei der Christen Nächstenliebe demonstrieren.
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Eine Stärke der Lutheraner

von Wolfgang Thielmann

Mit der in Magdeburg zu Ende gegangenen Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist für die Lutheraner eine heikle Phase zu Ende gegangen. Johannes Friedrich, der gerade verabschiedete bayerische Landesbischof, hat auch den Stab des Leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) an Gerhard Ulrich weitergegeben, der die nordelbische Kirche führt und zugleich Vorsitzender der Kirchenleitung der in Gründung befindlichen Nordkirche ist.
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Bekennen oder Schweigen?

von Benjamin Lassiwe

Es ist eine der eher unbekannteren lutherischen Bekenntnisschriften, aber eine, die es in sich hat. Der „Tractatus de potestate et primatu Papae“, der Traktat „Von der Gewalt und Obrigkeit des Papstes“ wurde erst 1580 zu einer Bekenntnisschrift der Protestanten. Seitdem wird das Papstamt von den Lutheranern grundsätzlich abgelehnt, auch wenn einzelne Bischöfe, etwa der badische Oberhirte Ulrich Fischer oder der scheidende bayerische Landesbischof Johannes Friedrich immer wieder einmal für einen Ehrenprimat des Papstes plädierten.
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Geschüttelt, nicht gedichtet…

von Benjamin Lassiwe

Die Osterkerze brennt, die Orgel spielt, die Frühlingssonne scheint durch die bunten Glasfenster. Am Ostersonntag sind die Kirchenbänke in der kleinen Dorfkirche in der Lüneburger Heide wie üblich gut gefüllt. Doch etwas ist anders an diesem Morgen. Es ist die Musik. Statt „Christ ist erstanden von der Marter alle“ singt die Gemeinde „Gott Vater, Gott Mutter, du zärtliche Nähe, Du schenkst uns Deinen Geist. Du Anwalt des Lebens, Du stärkst uns, befreist.“ Eine eher absurde Vorstellung? Nicht unbedingt.
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Ein Schweinchen für Herrn Böckenförde

von Benjamin Lassiwe

„Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ So lautet das so genannte Böckenförde-Diktum, einer der wichtigsten Leitsätze für das Verhältnis von Staat und Kirche. Er beschreibt, warum es in einem Land wie der Bundesrepublik Deutschland eine Zusammenarbeit von Staat und Kirche geben kann, auch wenn die deutsche Verfassung davon ausgeht, dass Staat und Kirche voneinander getrennt sind.
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Mit dem Enterhaken an die Kirchensteuer

von Benjamin Lassiwe

Bei den Berliner Abgeordnetenhauswahlen sind sie die großen Unbekannten. Doch zum ersten Mal seit ihrer Gründung 2006 hat die Piratenpartei reele Chancen, die fünf-Prozent-Hürde eines Landesparlaments zu überschreiten. Umfragen sehen die vor allem für ihre Internetpolitik bekannte Partei derzeit bei 5,5 bis 6,5 Prozent. Grund genug, einmal zu fragen: „Wie hast du´s mit der Religion?“
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