Diakonisches Dampfgeplauder

von Benjamin Lassiwe

Die Verhandlungen um Hartz-IV sind gescheitert. Die Saar-Grünen sind im Bundesrat nicht umgefallen. Menschen, die in Deutschland am Rande der Gesellschaft leben, werden bis auf weiteres kein zusätzliches Geld erhalten.

„Diakonie, das waren für mich immer die mit dem Geld“, sagt Joachim Gauck. Während einige Kilometer Luftlinie entfernt im Bundesrat noch über Hartz-IV verhandelt wird, steht der frühere Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom auf einer Bühne, und plaudert munter durch die Welt. Von seiner Zeit als mecklenburgischer Landpfarrer spricht er ebenso wie vom ehrenamtlichen Engagement.

Theoretisch hätte er auch über Kochtöpfe sprechen können, oder über die Rosen in seinem Garten. Aber da der Jahresempfang des Diakonischen Werks der EKD dem Europäischen Jahr des Ehrenamtes gewidmet war, betonte Gauck eben, dass er ganz ohne Honorar vor dem geladenen Gästen der Diakonie spreche. Wie ja auch schon die Kandidatur im vergangenen Jahr ehrenamtliches Engagement gewesen sei.

Wenige Stunden zuvor hatten der bundesweit 400.000 Mitarbeiter zählende protestantische Sozialverband in der Berliner Französischen Friedrichstadtkirche den badischen Theologen Johannes Stockmeier in sein Amt als Diakoniepräsidenten eingeführt. Immerhin: Der 62jährige Nachfolger des im letzten Herbst zurückgetretenen Klaus-Dieter Kottnik warnt vor Leistungskürzungen, die zur Verschönerung des Sprachgebrauchs zur Reform umettiketiert werden, und der Durchlöcherung sozialer Sicherungssysteme. Und er betont, dass die „diakonische Gemeinde“ gerne „eine verlässliche Adresse für die Armen sei.“

Doch zu einem wesentlichen Thema verlor er kein einziges Wort: Zum Skandal um den persönlichen Referenten seines Vorgängers, der stiller Teilhaber bei einer Beratungsfirma war, die auch das Diakonische Werk der EKD beriet, und ihr Auftragsvolumen ohne einen neuen Auftrag um mehrere hunderttausend Euro überzog. Dabei ist der Vorstand des Diakonischen Werks der EKD genau deswegen noch immer nicht entlastet.

Von Stockmeier war am Freitag nicht erfahrbar, wie der dicke Dampfer Diakonie aus dem aufgewühlten Fahrwasser der eigenen Krise wieder herauskommen will. Einzig der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider riet dem neuen Diakoniechef zu gesundem Gottvertrauen – aber ob das an dieser Stelle reicht?

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