Auf dem Weg in Amt und Würden…

von Benjamin Lassiwe

Er ist das personifizierte Luthertum in Deutschland: Bayerns Landesbischof Johannes Friedrich, zugleich leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Deutschland (VELKD). Profilierter als er äußerte sich in den letzten Jahren kaum ein lutherischer Theologe –  Friedrich schlug die Anerkennung des Papstes als „Sprecher der Weltchristenheit“ ebenso vor, wie er die weitere Existenz der VELKD im EKD-Verbindungsmodell mit Verve verteidigte und mehr als einmal mit eher konservativen ethischen Positionen aus der Reihe der evangelischen Landesbischöfe trat. Nun wird Johannes Friedrich aus Altersgründen sein Amt aufgeben müssen. Am 4. April soll die bayerische Landessynode in der Münchener Matthäuskirche einen Nachfolger wählen – zwölf Jahre wird dessen Amtszeit dann betragen. Und wie die bayerische Landeskirche in der vergangenen Woche mitteilte, stehen drei Kandidaten für die Friedrich-Nachfolge zur Wahl.

Alle drei sind in ihrer Landeskirche profiliert – doch nur einer von ihnen gehört selbst der bayerischen Landessynode an: Heinrich Bedford-Strohm, Professor für systematische Theologie und theologische Gegenwartsfragen an der Universität Bamberg. Schwerpunkt des Schülers des ehemaligen EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber ist bisher die „öffentlichen Theologie“ gewesen. Doch auch zur Verantwortung von Unternehmern in der Gesellschaft, zur Integration und zum christlichen Menschenbild ist der Theologe sprachfähig. Als Mitglied der Sozialkammer der EKD hat er an zahlreichen Denkschriften und Stellungnahmen des deutschen Protestantismus mitgewirkt. Als ehemaliger Pfarrer an der Coburger Moritzkirche verfügt er auch über Gemeindeerfahrung, auf die in den letzten Jahren bei Bischofswahlen stets besonders geachtet wurde. Als bayerischer Landesbischof, und damit auch leitender Geistlicher der drittgrößten Kirche in der EKD, hätte Bedford-Strohm wohl gute Chancen, als Nachfolger von Nikolaus Schneider und im Kopf-an-Kopf-Duell mit dem hannoverschen Landesbischof Ralf Meister nächster Ratsvorsitzender der EKD zu werden.

Gleiches gilt auch für die zweite Kandidatin, die Münchener Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Nach den Rücktritten von Maria Jepsen und Margot Käßmann ist sie neben Ilse Junkermann, der methodistischen Bischöfin Rosemarie Wenner und der Potsdamer Generalsuperintendentin Heilgard Asmus eine der letzten verbliebenen profilierten Theologinnen in einem höheren Kirchenamt in Deutschland. Bundesweit bekannt geworden ist die ausgebildete Journalistin als Sprecherin des „Wortes zum Sonntag“ in der ARD und als Mitherausgeberin des evangelischen Magazins Chrismon. Als „ständige Vertreterin des Landesbischofs“ ist die in zweiter Ehe verheiratete Theologin auch in ihrer Landeskirche präsent. So predigte sie im Trauergottesdienst nach dem Einsturz der Eissporthalle von Bad Reichenhall ebenso wie bei Gemeindebesuchen im Münchener Umland. Auch im Hörfunk ist sie oft präsent. Und als Regionalbischöfin von München war sie schon einmal die erste Frau in einem Leitungsamt in ihrer Kirche.

Am unbekanntesten unter den drei Kandidaten dürfte wohl Helmut Völkel sein, der derzeitige Personalreferent im bayerischen Landeskirchenamt. Allerdings nur nach außen. Der ehemalige Regionalbischof von Ansbach und Würzburg, der bereits von 1989 bis 1998 in der Personalverwaltung seiner Kirche mitarbeitete, dürfte gerade durch diese Tätigkeit die meisten evangelischen Pfarrer Bayerns persönlich kennen. In seiner Zeit als Regionalbischof stärkte er die fränkische Identität in der großen Landeskirche: Die Einrichtung eines fränkischen Pfarrertags, die Förderung regionaler Kirchentage und die Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft der mittelfränkischen Dekanate gehen auf sein Konto. Doch das Amt des Personalchefs kann auch zum Handicap für einen Bischofskandidaten werden. Unerfüllte Stellenwünsche unter seinen Wählern können sich in der Wahlkabine rächen. Und sollte es in der bayerischen Landeskirche etwa unentdeckte Missbrauchsfälle geben, wäre die Situation eines Bischofs, der vorher Personalchef war, deutlich schwieriger als die eines früheren Theologieprofessors oder einer ehemaligen Regionalbischöfin. Auch so etwas muss in diesen Tagen bei einer Bischofswahl beachtet werden.

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