O Du liebe Margot, alles ist hin…

von Benjamin Lassiwe

Schon beim ersten Lesen wirkt die Pressemitteilung irgendwie bizarr: Margot Käßmann hat den Preis für Zivilcourage der Europäischen Kulturstiftung abgelehnt – nicht, weil sie die Auszeichnung nicht für respektabel hielte. Sondern, weil Medienberichte die Auszeichnung zu sehr mit ihrem Rücktritt in Verbindung brachten.

Eine kleine Rückblende: In einer kleinen Meldung am vergangenen Wochenende hatte der Spiegel berichtet, Käßmann werde den Preis erhalten, weil sie sich nach der legendären Phaeton-Fahrt mit 1,54 Promille zu ihrer persönlichen Verantwortung bekannt habe, und die Konsequenzen daraus gezogen habe. Andere Zeitungen griffen dies anschließend auf. Stimmt nicht, sagt Käßmann nun. „In der Erklärung der Stiftung hieß es, der Preis werde mir für Zivilcourage als Seelsorgerin, Bischöfin und Ratsvorsitzende verliehen, vor allem für die mit dem Satz „Nichts ist gut in Afghanistan“ angestoßene öffentliche Debatte“, sagt die ehemalige Ratsvorsitzende. „So hätte ich den Preis angenommen, um ihn in der Dankesrede den Menschen zu widmen, die sich in der Friedensfrage couragiert an vielen Orten engagieren, ohne dass ihnen je ein Preis dafür verliehen würde.“

Die Konsequenz freilich, die Margot Käßmann aus dieser Sache zieht, ist in jeder Hinsicht falsch. „Dass in einigen Medien dieser Preis nun ausschließlich mit meinem Rücktritt in Verbindung gebracht wird, entspricht zwar nicht den Tatsachen, lässt mir aber keine andere Möglichkeit, als den Preis abzulehnen“, sagt Käßmann. „Der Europäischen Kulturstiftung danke ich dennoch für die Ehre, die sie mir zuteil werden lassen wollte.“

Eine klassische Käßmann-Entscheidung, aus dem Bauch heraus getroffen, und vermutlich ohne sonderlich viel Nachdenkens über die Konsequenzen ihres Handelns. Denn nun haben es die Medien, die nach Käßmanns eigener Einschätzung falsch berichtet haben, geschafft, dass Käßmann einen Preis aus Gründen ablehnt, für den sie ihn gar nicht bekommen sollte. Käßmann ist die Deutungshoheit über die eigene Lebensgeschichte nunmehr endgültig entglitten, egal, wie stark sie darum kämpft. Und bei einer Theologin, deren Theologie zu großen Teilen aus der Verknüpfung der eigenen Lebenserfahrung mit den biblischen Geschichten besteht, ist das irgendwie schon wieder tragisch.

 

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