Wenn der Pastor mit dem Radl kommt…

von Benjamin Lassiwe

Ja, mir san mitm Radl da“. Unzählige, stets heitere Schlagersänger und Volksmusiker machten diese Textzeile zu einem Ohrwurm des 20. Jahrhunderts. Ein Lied, dass in der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche (NEK) nun fröhliche Urständ feiert. Denn auf der traditionell in Rendsburg tagenden Nordelbischen Synode wurde das „Kirche für Klima-Fahrrad“ vorgestellt – ein Fahrrad mit Elektro-Hilfsantrieb, das bei einer kirchlichen Klimaschutzinitiative zum Preis von 1.350 Euro erhältlich ist.

Die Idee und Initiative der Klimakampagne für ein elektrisch unterstütztes Fahrrad ist nun realisiert“, sagte der Ständige bischöfliche Vertreter im Sprengel Hamburg und Lübeck, Propst Jürgen F. Bollmann. Der gute Mann hätte auch einfach in einen Versandhauskatalog gucken können: Dort sind so genannte Pedelecs schon lange Standard, und oft auch billiger erhältlich als bei der kirchlichen Klima-Initiative. Aber wie auch immer: Die Nordelbische Kirche und die Kampagne „Kirche für Klima“ erhoffen sich durch das Angebot des Klimarades eine weitere Emissionsverminderung, teilte die NEK am Samstag mit. Ziel der Kampagne sei es, den CO 2-Ausstoss bis zum Jahr 2015 verglichen mit dem Jahr 2005 um 25 Prozent zu senken. Weswegen kirchliche Mitarbeiter künftig kürzere und mittlere Strecken mit dem Elektrofahrrad überwinden könnten. „Das schont die Umwelt und fordert außerdem die Gesundheit“, so Bollmann weiter.

Aber was heißt das nun praktisch? Bahncard 100 und Elektrofahrrad statt des Dienstwagens für bischöfliche Personen, wie die leitenden Geistlichen in Nordelbien geschlechtergerecht heißen? Das wäre eine echte Kostensparmaßnahme. Und auch nächtliche Alkoholfahrten a la Margot Käßmann, die noch schnell im Dienstwagen zu Ende geschriebene Predigt für die Orgeleinweihung in Dithmarschen und das kurzfristige Radio-Interview während der Autofahrt gehörten der Vergangenheit an. In der Großstadt müsste sich der Geistliche vor Ort nie wieder mit Bussen und Bahnen herumschlagen, er hat ja schließlich sein Elektrofahrrad. Und auf dem Land wäre das Zweirad sogar eine nachhaltige Schutzmaßnahme für das vom Burn-Out-Syndrom bedrohte Pfarrpersonal: Denn mit einem Elektrofahrrad, dessen Höchstgeschwindigkeit bei 25 Stundenkilometern abgeriegelt wird, wäre es eben nicht mehr möglich, an jedem Sonntag in drei Dörfern nacheinander die Kanzeln zu bedienen. Auch der Terminkalender würde nachhaltig entschleunigt. Deshalb: Straße frei für das „Kirche für Klima-Fahrrad“ – je mehr es davon gibt, desto besser.

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