Igitt, igitt-igitt, Berliner Dom!

von Benjamin Lassiwe

Wer seine Fenster seit 30 Jahren nicht geputzt hat, ist ein Schmutzfink. Oder evangelisch. Oder beides. Längst schon ist es kein Geheimnis mehr, dass protestantische Kirchenräume oft zum Gruseln siffig sind: Verstaubte Teppiche hängen als so genannte Kunstwerke an der Wand, die überflüssigen Stapelstühle stehen für jeden sichtbar hinter dem Altar, und auf den Blättern der Grünpflanzen im Kirchencafé findet sich eine manchmal gar nicht mehr so feine weiße Schicht.

Da mag es manchem kirchlichen Hausmeister wie eine Erlösung vorkommen, dass sich nun auch die wichtigste Kirche der Bundeshauptstadt, der Berliner Dom, dazu bekennt, dass die so genannten Tambourfenster in der Kirchenkuppel seit ihrem Einbau Ende der 70er Jahre (!) des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr gereinigt wurden. Zugegeben, die Fenster sind ganz weit oben angebracht. Einfach mal wischen geht da nicht: Wenn der Dom in den kommenden Tagen mit seinem Frühjahrsputz beginnt, werden sich extra bestellte Fassadenkletterer mit Putzlappen und Reinigungsmittel auf den Weg nach oben machen müssen. Immerhin mehr als 15.000 Euro soll allein das Fensterputzen am Ende kosten.

Ob es dadurch im Berliner Dom wirklich heller wird, wie Pressesprecherin Antje Zimmermann vermutet? Vielleicht. Zunächst allerdings müssten die Kletterer es tatsächlich schaffen, den mittlerweile fast schon prähistorischen Schmutz von den Fensterscheiben zu entfernen: Blütenpollen, Staub und Ruß, eingetrocknet und ins Glas gebrannt. Aber die Berliner Oberpfarr- und Domkirche ist für andere Gemeinden eben nicht nur beim Gottesdienstbesuch ein Vorbild…

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