Scientology: Auch in der Wikipedia…

von Benjamin Lassiwe

Einer der großen politischen Fehler des noch-Hamburger Bürgermeisters und früheren Innensenators Christoph Ahlhaus (CDU) war die Auflösung der Arbeitsgruppe Scientology in der Hamburger Innenverwaltung: Eine Institution, deren Fachkompetenz im Umgang mit der von dem amerikanischen Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard gegründeten Organisation bundesweit geschätzt wurde. Und deren Beseitigung, folgt man den Wiki-Leaks-Dokumenten, möglicherweise unter Rücksichtnahme auf die USA geschah. Das US-Außenministerium kritisiert Deutschland seit langem wegen Kritik an Scientology und sieht darin eine Beeinträchtigung der Religionsfreiheit. Doch ist Scientology auch in den USA umstritten. Im Februar sagte sich der Regisseur und Oscar-Preisträger Paul Haggis von der Gruppe los und warf ihr menschenverachtende Praktiken vor. Das Magazin „New Yorker“ berichtete, dass die Bundespolizei FBI gegen Scientology ermittle.

Auch in Bayern sieht man Scientology kritisch. Das Landesamt für Verfassungsschutz lässt es in seinem neuesten Bericht nicht an deutlichen Worten fehlen. „Die Scientology Organisation (SO) ist ein internationaler Wirtschaftskonzern, der nicht nur nach Gewinnmaximierung strebt, sondern auch ein weltweites Herrschaftssystem nach eigenen Vorstellungen errichten will. An die Stelle des Demokratieprinzips und der Grundrechte soll ein auf Psycho-Technologien und der bedingungslosen Unterordnung des Einzelnen beruhendes totalitäres Herrschaftssystem treten“, heißt es im bayerischen Verfassungsschutzbericht. Die Organisation stelle das politische System der Bundesrepublik Deutschland in Frage und wolle „durch Einflussnahme auf Staat, Politik und Wirtschaft in die Gesellschaft eindringen und sie ihren Zielen unterwerfen.“

Von diesen Zielen ist Scientology den bayerischen Verfassungsschützern zufolge derzeit freilich weit entfernt – die Mitgliederzahl sinke. Neu allerdings sei, dass Scientology verstärkt soziale Netzwerke im Internet nutze, um für sich zu werben: Auf Facebook und Youtube sei die Organisation präsent, und „im freien Internet-Lexikon Wikipedia waren Berichte über die SO wiederholt zu ihren Gunsten geändert worden.“ Auch auf anderen Internetseiten würden Kommentare, Rezensionen und Artikel im Sinne der Organisation formuliert. „Dass diese Veröffentlichungen durch Scientologen verfasst wurden, wird meist verheimlicht“, heißt es im bayerischen Verfassungsschutzbericht. „Einem neutralen Nutzer dieser Internetveröffentlichungen wird somit ein einseitig positives Bild von der SO vermittelt.“

Schon deswegen braucht es weiter Aufklärung: Es wäre daher ein guter Start für den neuen Hamburger SPD-Senat, würde er die aufgelöste Arbeitsgruppe wieder einrichten. Und auch die Kirchen sollten auf weitere Sparmaßnahmen bei ihren Beauftragten für Sekten- und Weltanschauungsfragen verzichten. Denn es braucht Schweiß und Mühen, um einmal verlorenes Wissen wieder zurückzugewinnen.

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