Da waren es nur noch zwei…

von Benjamin Lassiwe

Das Personalkarussell der Diakonie dreht sich weiter: Der Vizepräsident des Diakonischen Werks der EKD, Wolfgang Teske, wechselt nach Halle. Ab dem 1. Mai soll er Kaufmännischer Vorstand des Diakonischen Werks Mitteldeutschland werden, teilte die Diakonie am Dienstag in Berlin mit. Doch was auf den ersten Blick wie eine harmlose Personalie wirkt, hat durchaus eine gewisse Brisanz: Denn Teske gehört zu den Vorstandsmitgliedern, die am 22. März, als das DW der EKD die Personalie bekannt gab, noch immer keine Entlastung für das Geschäftsjahr 2009 erhalten haben.

Schuld daran ist der sattsam bekannte „Referentenskandal“ in der Diakonie: Im vergangenen Jahr hatte die „Stuttgarter Zeitung“ aufgedeckt, dass der persönliche Referent des Diakoniepräsidenten Klaus-Dieter Kottnik, Pfarrer Walter Merz, zugleich stiller Teilhaber einer Beratungsfirma war, die auch das Diakonische Werk der EKD beriet. Nach dem Rücktritt Kottniks „aus gesundheitlichen Gründen“ stellte sich heraus, das die Beratungsfirma ihr Auftragsvolumen ohne neue Aufträge deutlich überzogen hatte. Und manche Beobachter stellten sich die Frage, wie der ganze Vorgang am Schreibtisch des Vorstandsmitglieds, das für den Bereich Wirtschaft und Verwaltung zuständig war, einfach so vorbeilaufen konnte. Doch die bislang veröffentlichten Details des Zwischenberichts einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsfirma geben Teske keine Schuld. Nur ein besseres Controlling in der Diakonie wurde angemahnt. Die Entlastung des Diakonievorstands indes wurde gleich mehrfach verschoben – nunmehr auf eine Sondersitzung der Diakonischen Konferenz, die am 31. März in Berlin stattfinden soll. Da ist es schon eine bemerkenswerte Koinzidenz, dass Teske knapp zwei Wochen vorher seinen Rückzug aus dem Diakonischen Werk ankündigt.

Zumal der Abgang des Vizepräsidenten die Diakonie in eine denkbar große Malaise bringt: Denn sollten nicht zügig Neuwahlen zu Stande kommen, wird der Vorstand des Diakonischen Werks der EKD Ende April nur noch aus dem Präsidenten Johannes Stockmeier und dem für Ökumenische Diakonie zuständigen Vorstandsmitglied Cornelia Füllkrug-Weitzel bestehen. Schließlich ist auch der Posten des Vorstandsmitglieds für Sozialpolitik unbesetzt, seit die SPD-Bundestagsabgeordnete Kerstin Griese Ende 2010 die Diakonie verlassen hat. Weswegen auf den für die Kandidatenfindung verantwortlichen Vorsitzenden des Diakonischen Rats, Württembergs Landesbischof Frank Otfried July, nun jede Menge Arbeit zukommt. Ein starkes Diakonisches Werk, das seine Stimme an der Seite der Armen erhebt und in der Sozialpolitik Gehört findet, sieht jedenfalls wohl anders aus.

P.S.: Aber in der Diakonie gilt ja ohnehin der einstmals von Fritz Baltruweit vertonte Slogan: „Jetzt oder nie – und mit dem Herzen sehen“

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