Die Römer wurden nicht zitiert…

von Benjamin Lassiwe

Die Stellungnahme des Rates der EKD zur Präimplantationsdiagnostik ist im Deutschen Bundestag angekommen. Eine ganze Reihe von Abgeordneten bezog sich in der Debatte am vergangenen Donnerstag, als das Parlament in erster Lesung über die umstrittene Diagnoseform beriet, auf die evangelische Kirche. Was die Mitglieder des Leitungsgremiums des deutschen Protestantismus formulierten, galt den Parlamentariern als Richtschnur, Leitlinie und Argumentationshilfe, um sich in der ethisch diffizilen Frage eine Meinung zu bilden.

Allerdings – dabei handelte es sich meist um Befürworter einer PID-Freigabe. Sowohl der FDP-Abgeordnete Patrick Meinhardt, der für die eng begrenzte Mittelweg-Lösung eintritt, wonach PID in all jenen Fällen erlaubt sein soll, in denen eine Totgeburt oder ein Tod des Kindes im ersten Lebensjahr zu erwarten steht, als auch seine für die noch weitergehende Freigabe des Hintze-Antrags plädierende Parlamentskollegin Gabriele Molitor stützten sich in ihrer Argumentationskette auf die EKD. Das ist bemerkenswert. Denn natürlich waren es der frühere Kirchentagspräsident Eckhard Nagel und der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider, die als erste Kirchenvertreter nach dem debatteauslösenden Urteil des Bundesgerichtshofs über eine PID-Freigabe nachdachten. Aber der Anfang 2011 gefasste Beschluss des Rates der EKD hatte dennoch einen anderen Duktus: Er hielt ausdrücklich an einem PID-Verbot fest. So wie Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt, die diese Position dann auch im Plenum vertrat.

Weswegen sich die EKD nun Fragen stellen muss: Warum kann die eigene Stellungnahme zur Begründung jeder beliebigen Position herangezogen werden? Hätte etwas mehr Prägnanz und ein etwas weniger öffentliches Suchen nach der vermutlich niemals findbaren Patentantwort zur PID möglicherweise einen anderen Debattenverlauf im Bundestag generiert? Fakt ist, dass der deutsche Protestantismus in der PID-Debatte bislang keinen sonderlich starken, geschlossenen Eindruck hinterlassen hat. Fakt ist allerdings auch, dass die römisch-katholische Kirche beim Thema Präimplantationsdiagnostik von vornherein eine strikt ablehnende Position für ein PID-Verbot bezogen hat und daher den Eindruck erweckte, sie nehme an der gesellschaftlichen Diskussion nicht mehr teil. Von den Abgeordneten des Deutschen Bundestags wurde sie nicht ein einziges Mal zitiert.

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