Abgang einer Pfarrerin (Update)

von Benjamin Lassiwe

Es ist nur eine kleine Meldung im aktuellen Amtsblatt der EKD: „Mit Verfügung vom 27. Januar 2011 hat der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck mit Wirkung vom 1. Februar 2011 Pfarrerin im Ehrenamt Dr. Christiane Dithmar […] die Rechte des geistlichen Standes entzogen. Die Beauftragung von Dr. Christiane Dithmar mit den Aufgaben einer Pfarrerin im Ehrenamt wurde ebenfalls mit Wirkung vom 1. Februar 2011 beendet.“

Aber diese Meldung hat es in sich. Denn Christiane Dithmar ist die Chefin der Unternehmensberatung „Dithmar & Partner“, die bekanntlich eine der Hauptrollen im Skandal um das Diakonische Werk der EKD spielte. Hinter dem „Partner“ im Namen der Unternehmensberatung verbarg sich unter anderem der persönliche Referent des früheren Diakonie-Präsidenten Klaus-Dieter Kottnik, Pfarrer Walter Merz. Und natürlich war „Dithmar & Partner“ im Diakonischen Werk der EKD aktiv und überzog ihr Auftragsvolumen um das zweieinhalbfache, ohne dass es einen neuen Auftrag gab. Nach außen hin hatte das Verhalten der Unternehmensberatung scheinbar keine Konsequenzen. Die von der Diakonie beauftragte, unabhängige Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Solidaris stellte keine strafrechtlichen Verfehlungen im Verlauf des Diakonie-Skandals fest.

Der Imageschaden für das Diakonische Werk war dennoch enorm. Kottnik trat „aus gesundheitlichen Gründen“ zurück, und zuletzt entschied sich auch Diakonie-Finanzvorstand Wolfgang Teske für die Aufnahme einer neuen Tätigkeit im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands. Und nun wird also bekannt, dass Christiane Dithmar ihren Talar künftig im Kleiderschrank verstauben lassen muss. Und zwar auf keinesfalls alltägliche Weise: Der in der geltenden Fassung des EKD-Kirchenrechts seit 1944 geregelte „Verlust der Rechte des Geistlichen Standes“ deutet oftmals auf ein Disziplinarverfahren in der betreffenden Landeskirche hin. Das könnte nahelegen, dass das Verhalten der Unternehmensberaterin trotz fehlender strafrechtlicher Sanktionsmöglichkeit in Kirchenkreisen nicht goutiert wird.

Nein, stimmt nicht, wir sind in der Evangelischen Kirche. Zu positiv gedacht, Herr Lassiwe. Denn unter Protestanten kümmert man sich untereinander, wie konnte ich das nur vergessen. Selbst dann, wenn ein Diakonisches Werk scheinbar wie eine Weihnachtsgans ausgenommen wird. Heute, drei Tage nach der Erstveröffentlichung dieses Bloggs erreichte mich ein Schreiben des Öffentlichkeitsreferenten von Kurhessen-Waldecks Landesbischof Martin Hein, Roland Kupski:

„Der im Amtsblatt der EKD und der EKKW mitgeteilte Entzug der Rechte des geistlichen Standes und die Entlassung aus dem Ehrenamt ist keine disziplinarische Maßnahme, sondern eine rein personalrechtliche Entscheidung, die im Zusammenhang der Regelungen für das Pfarramt im Ehrenamt steht.  Der von Ihnen in Ihrem Blog als Frage und im Artikel als Aussage genannte Zusammenhang ist so nicht korrekt. Die Koinzidenz mit den Ereignissen rund um das Diakonische Werk der EKD ist rein zeitlich.

Auch im Interesse von Frau Dr. Dithmar möchte Bischof Dr. Martin Hein dies klargestellt wissen.“

Nun, diese Klarstellung ist hiermit erfolgt – wiewohl sie leider dann doch das Gegenteil von dem zeigt, was zu erhoffen war. Die Evangelische Kirche hat offensichtlich weder Mut noch Möglichkeiten, sich von unliebsamem Pfarrpersonal zu trennen. Das zeigt auch der zweite Fall aus dem Diakonie-Skandal: Walter Merz, der frühere persönliche Referent von Klaus-Dieter Kottnik, ist seit einigen Wochen glücklicher Pfarrer im Harzer Kurort Sankt Andreasberg. Im Pfarrbrief seiner Gemeinde stellte er sich den Gläubigen vor, nicht ohne Hinweis darauf, dass er beim Diakonischen Werk der EKD  „tiefere Einblicke in die Sozialpolitik“ erhalten hat.

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Eine Antwort auf Abgang einer Pfarrerin (Update)

  1. Annette sagt:

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