Auf Meisterkurs…

von Benjamin Lassiwe

Sie wollen Berliner Meister werden: Christoph Anders (51), Ulrike Trautwein (52) und Peter Burkowski (52) kandidieren für die Nachfolge des Berliner Generalsuperintendenten, der bekanntlich erst vor Kurzem als Bischof der Hannoverschen Landeskirche eingeführt wurde. Die Wahl soll am 29. Mai in der Bartholomäuskirche in Friedrichshain stattfinden. Am 8., 15., und 22. Mai jeweils um 15 Uhr werden sich alle drei Kandidaten in derselben Kirche in öffentlichen Vorstellungsgottesdiensten und mit Kurzvorträgen präsentieren.

Wie in eigentlich allen größeren Personalangelegenheiten der letzten Jahre hat sich die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz damit wieder für Kandidaten entschieden, die nicht unmittelbar im eigenen Bereich tätig sind – Christoph Anders arbeitet als Direktor des Evangelischen Missionswerks in Hamburg, Ulrike Trautwein ist Pfarrerin in Frankfurt am Main und Peter Burkowski Superintendent in Recklinghausen.

Doch für Anders wäre die Wahl immerhin eine Rückkehr an eine alte Wirkungsstätte. Mehrere Jahre arbeitete er als Pfarrer in Berlin-Frohnau, danach beim Berliner Missionswerk. Wenn einer der drei Bewerber einen Heimvorteil hat, ist es ganz sicher er. Aber als sich alle drei Kandidaten im Evangelischen Konsistorium interessierten Journalisten vorstellen, wirkt er nervös. Lange Pausen macht er beim Sprechen, die eigene Körpersprache ist sein größter Gegner. „An die Seite der Armen, da gehört die Kirche hin“, sagt Anders. Dafür will er sich politisch einsetzen. Doch Anders steht auch für eine Horizonterweiterung der Kirche: Als junger Theologe engagierte er sich in einer katholischen Basisgemeinde in Brasilien, später förderte er Partnerschaften zwischen der Berliner Kirche und den Christen in Lateinamerika und Kuba.

Eine klassische Großstadtpfarrerin ist dagegen Ulrike Trautwein. Während Ralf Meister als Generalsuperintendent das „Wort zum Sonntag“ sprach, gestaltet sie Verkündigungssendungen im Hessischen Rundfunk. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag ist die Theologin engagiert, als Beraterin des Zentralkomitees deutscher Katholiken (ZdK) und im interreligiösen Dialog. Religionsunterricht gibt sie an einer Hauptschule, an der 70 Prozent der Schüler muslimischer Herkunft sind. „Da stoßen Lebenswelten aufeinander“, sagt Ulrike Trautwein. Nur mit Wahlen hatte sie in der Vergangenheit kein Glück: Als 2009 in Ulm ein neuer Rat der EKD gewählt wurde, hielt sie elf Wahlgänge lang durch. Als sie ohne Gegenkandidatin im zwölften Wahlgang immer noch nicht gewählt wurde, zog die Tochter des Liederdichters Dieter Trautwein („Komm, Herr, Segne uns!“) entnervt die Kandidatur zurück.

Ganz gelassen wirkte der dritte im Bunde, Peter Burkowski. Der Westfale stammt aus dem Ruhrgebiet, „einer Gegend, wo die ältesten evangelischen Kirchen gerade einmal 100 Jahre alt sind.“ Er hat Erfahrung aus der Kirchenleitung seiner Heimatkirche, ist seit über zehn Jahren Superintendent. Souverän präsentiert er seine Stärken, zu verlieren hat er Nichts. Kommunikativ will er sein, ein Seelsorger, der sich zwischen Kirchengemeinden und Kirchenleitung einordnet. Innerkirchliche Reformprozesse kennt er gut, „als ich zum Superintendenten gewählt wurde, hatten wir gerade die erste Finanzkrise.“ In Gemeinden seines Kirchenkreises werden „Abrahamsfeste“ gefeiert, bei denen Christen und Muslime zusammenkommen. Auch er will eine Kirche mitgestalten, die „einladend, profiliert und näher bei den Menschen ist.“

Doch diese Floskel könnten auch seine beiden Mitbewerber sofort unterschreiben. Was vor allem eines zeigt: Das Rennen ist offen, wenn es allen Kandidaten gelingt, sich vor ihren Wählern in der Bartholomäuskirche gut zu präsentieren.

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