Hilfe für den letzten Weg

von Benjamin Lassiwe

Es ist ein typisches Großstadtphänomen. Alte Menschen sterben einsam in ihrer Wohnung, ohne Kontakt zu Verwandten oder Bekannten. Oder in einem Krankenhaus – doch bis die Angehörigen ermittelt sind, vergeht viel Zeit. Immer wieder hört man von Fällen, in denen es den Sozialbehörden nur darum geht, so schnell wie möglich den Leichnam unter die Erde zu bringen.

Ob es sich dabei um einen gläubigen Christenmenschen handelte, spielt keine Rolle. Im Gegenteil: Pfarrer berichten davon, dass es bei Sozialbestattungen oft genug schon Streit darum gibt, ob wenigstens ein einfaches Grabkreuz auf der Grabstelle errichtet werden kann. Meist werden bedürftige Verstorbene in aller Stille bestattet, ohne Gottesdienst und oft auch anonym. Aber ganz offenbar kann dieses Schicksal auch Menschen blühen, deren Anverwandte nicht bekannt sind. Sie können einen Vorsorgevertrag und sogar eine reservierte Grabstelle haben – wenn niemand gezielt danach sucht, hilft es nicht. Das jedenfalls berichten die Bremische Evangelische Kirche und der katholische Gemeindeverband Bremen. Weswegen beide Kirchen auf der Bremer Fachmesse „Leben und Tod“ die leider noch nicht im Internet vertretene Aktion „Den letzten Weg in Würde gehen – Vorsorge für eine kirchliche Bestattung“ starteten.

Die Idee dahinter: Wer Wert darauf legt, auch nach seinem Tod – etwa für Bestatter oder Rettungskräfte – als Kirchenmitglied erkennbar zu sein, kann sich ein scheckkartengroßes Kärtchen in die Geldbörse stecken. Es soll helfen, den letzten Willen kund zu tun. Auf der Karte können Menschen vermerken, dass sie Wert auf eine christliche Bestattung legen, wer im Todesfall benachrichtigt werden soll und ob sie einen Bestattungsvorsorgevertrag oder bereits eine Grabstelle haben. Eine bestechend einfache Idee. Sie sollte Schule machen, auch über Bremen hinaus.
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Erhältlich sein soll die Karte fürs Portemonnaie im Evangelischen Informationszentrum Kapitel 8 in Bremen. Es dürfte aber auch keinen größeren Aufwand machen, ein entsprechendes Exemplar mit Anbietern wie Vistaprint selbst herstellen zu lassen.

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Eine Antwort auf Hilfe für den letzten Weg

  1. Rene sagt:

    Ein interessanter Beitrag, besten Dank. Muss man sich nochmal in Ruhe durchlesen.

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