300 Euro für drei Tage…

von Benjamin Lassiwe

Auf gut 5.000 wird ihre Zahl geschätzt: Überall in Berlin tummeln sich Lobbyisten von Parteien und Verbänden, die sich um einen direkten Draht zu Bundesregierung und Abgeordneten bemühen. Auch die christlichen Kirchen sind an der Spree gut vertreten – neben den beiden Bevollmächtigten von EKD und Katholischer Bischofskonferenz haben diverse Einrichtungen, Werke und Vertreter ihre Abgesandten an der Spree. Vom Evangelischen Entwicklungsdienst bis zum Christlichen Hilfswerk World Vision, von der Deutschen Evangelischen Allianz bis zur Friedensorganisation Pax Christi: Wer als Nichtregierungsorganisation gehört werden will, braucht in Berlin ein Büro. Auch den Christen geht es so.

Manche Zeitgenossen freilich überschätzen sich und ihre Kräfte. Die Organisatoren einer christlichen Veranstaltung, die regelmäßig im Umfeld von Parlament und Regierung stattfindet, griffen daher in diesen Tagen zu einer – vornehm formuliert – ungewöhnlichen Maßnahme, um Teilnehmer für ihr rund 300 Euro pro Person kostendes Projekt zu gewinnen.

„Vielleicht können Sie uns in einer nicht ganz einfachen Situation helfen“,

schreiben sie in einem Brief, der auch mich erreicht hat.

„In diesem Jahr konnten wir im Zuge allgemeiner Sparmaßnahmen und geänderter Förderbedingungen den seit Jahren üblichen Zuschuss der Bundesregierung zu unserer Tagung nicht erhalten, Wir sind deshalb sehr auf weitere Spenden angewiesen. Hätten Sie einen Rat, an wen wir uns diesbezüglich wenden könnten?“

Soweit, so gut. In etwa so würde wohl jeder Bettelbrief lauten, den eine Organisation zur finanziellen Absicherung ihrer Veranstaltung verschickt. Doch dieses Schreiben hat ein dickes Ende:

„Gerne laden unsere Abgeordneten von Ihnen genannte Interessenten auch zur Teilnahme an unserer Veranstaltung ein. Für entsprechende Hinweise und Empfehlungen danke ich Ihnen.“

Ist das noch einfaches Sponsoring? Oder werden hier, nach außen sauber verpackt, Kontakte in die Politik verkauft? Und vor allem: Haben Christen so etwas nötig? Natürlich, wer seine Veranstaltung in einem Berliner Oberklassehotel durchführt, verursacht Kosten. Aber hier gäbe es einen einfachen Rat: Abspecken. Denn auch Jesus Christus brauchte keine Villa, um im Heiligen Land zu predigen. Aber wer für drei Tage ohne Übernachtung einen Teilnahmebeitrag von fast 300 Euro nimmt, dem ist wohl ohnehin nicht mehr zu helfen.

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Eine Antwort auf 300 Euro für drei Tage…

  1. Falko sagt:

    Das Facebook Like Button Plugin waere toll. Oder habe ich es nicht gesehen?

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