Georg Schwikart – ein katholischer Theologe wird evangelisch

von Wolfgang Thielmann

Georg Schwikart meldet sich aus Rom. Er kommt aus einer Generalaudienz des Papstes. „Ich habe mich beim Heiligen Vater abgemeldet; er hat mir zugewinkt“, lacht er. Die Tage in Rom sind ein Abschiedsgeschenk seiner Kirchengemeinde in St. Augustin bei Bonn. Denn der katholische Theologe und freie Schriftsteller wird evangelisch und ist in diesen Tagen einer der bekanntesten Konvertiten in Deutschland.

Eigentlich sollte er im vergangenen November zum Diakon geweiht werden, nachdem er die Ausbildung durchlaufen hatte. Dazu gehörten mehrere Gespräche mit Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Und eine Bekanntgabe der geplanten Weihe in der Kirchengemeinde. Das Fest war angesetzt, die Gäste eingeladen. Doch dann gab es offenbar einen anonymen Hinweis auf eins seiner Bücher, das er zusammen mit einem evangelischen Autor geschrieben hat.

Stein des Anstoßes soll sein, dass die beiden gefragt hatten, warum nicht auch Frauen zu Diakoninnen geweiht werden. Eine Frage, die seit langem auch die Katholische Frauengemeinschaft in Deutschland stellt. Und die Frauen im Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Doch daran hat Joachim Kardinal Meisner etwas auszusetzen. Deshalb setzte er Schwikarts Weihe aus. Der musste sich, wie er damals sagte, erst einmal neu sortieren. Und lud die Gäste wieder aus.

Jetzt, nach einem halben Jahr, hat er sich entschlossen, in die evangelische Kirche einzutreten.  Seine Gemeinde trauert um ihn. Da hat er jede Woche um die 20 Stunden mitgearbeitet. Sie verliert eine Säule. Die evangelische Nachbargemeinde freut sich, aber vermeidet jedes Triumphgehabe, so wie es gute evangelische Tradition ist. Sein Mitautor schickte ihm ein begeistertes Willkommen. Mit wüster Kritik an der katholischen Kirche: Sie sei noch autoritärer, unbelehrbarer, desolater und verletzender, als es im gemeinsamen Buch stehe: „Seit Reformationszeiten hat sich wahrlich wenig verändert: Der katholischen Kirche geht es nicht um den Glauben, sondern allein um Macht. Um sie zu stützen, greift sie bis heute zum Instrument der Inquisition.“

Schwikart sieht das gelassener: „Ich gehe im selben Haus in ein anderes Zimmer“, sagt er nach dem Abschied vom Heiligen Vater.

Meine Kollegin Astrid Prange de Oliveira widmet Schwikart in der ZEIT dieser Woche ein Porträt.

 

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Eine Antwort auf Georg Schwikart – ein katholischer Theologe wird evangelisch

  1. Adrian sagt:

    Hallo, ich bin mal so frei und poste was auf der Seite. Sieht schick aus! Ich nutze seit kurzem auch WordPress kapiere aber noch nicht alles. Deine Seite ist mir da immer eine gute Anregung. Weiter so!

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