Ein Schiff wird kommen…

von Benjamin Lassiwe

Sonderlich schiffreich ist die Elbe nicht. Ein, zwei Mal am Tag tuckert ein Frachtkahn durch Dresden, dazu verkehren die Schaufelraddampfer der sächsischen Dampfschiffahrt und das eine oder andere Kabinenkreuzfahrtschiff. Kein Vergleich mit der Spree im Berliner Regierungsviertel, wo Ausflugsdampferreedereien auf Touristenfang geradezu Verkehrsstaus auf dem Wasser produzieren. Und auch nicht mit dem Rhein bei Köln, wo selbst kleine Küstenmotorschiffe Europas Wasserautobahn beleben.

In der kommenden Woche allerdings soll das anders werden. Schuld daran ist die Evangelische Kirche, präziser gesagt: Der Deutsche Evangelische Kirchentag, der vom 1. bis 5. Juni in Dresden stattfindent. Denn gleich mehrere Evangelische Landeskirchen haben beschlossen, per Boot zum Kirchentag zu kommen. Zum Beispiel die Christen aus Anhalt, der kleinsten, aber auch sympathischsten Gliedkirche der EKD, die sich schon seit Jahren für den Schutz der mittleren Elbe engagieren. Mit einer Anhaltischen „Bootschaft“ tuckern sie die Elbe hinauf. Das normalerweise ab Dessau verkehrende Ausflugsschiff „Marco Polo“ der Reederei Süßenbach wird an den Elbanlegern am Terassenufer auf Anhalt aufmerksam machen. Irish Folk aus Köthen soll es an Bord geben, Vorträge über den berühmten Anhalter Wilhelm von Kügelgen und einen Themenabend über anhaltische Literatur.

Und noch ein zweites Schiff wird pünktlich zum Kirchentag die Elbe zu Berg entlangdampfern. Denn auch die große Nachbarkirche, die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, hat ein Schiff gechartert – aber natürlich nicht irgendein Schiff. Nein, man kommt mit der „Lutherstadt Wittenberg“, einem etwa gleich großen Schiff aus dem gleichnamigen Reformationsstädtchen an der Elbe. Doch im Unterschied zu den Anhaltern planen die Kirchentagsausschüsse aus Mitteldeutschland auf ihrem Dampfer kein Programm in Dresden. Sie nutzen das Ausflugsschiff nicht etwa zur Werbung für die beginnende Lutherdekade – warum auch, das wäre ja zu kompliziert. Ihnen dient es nur zur eigenen Anreise. Chance vertan. 1:0 für Anhalt.

Was auch für ein anderes ehrgeiziges Projekt gilt, das nicht zu Stande kam: Eine schwimmende Bühne auf der Elbe sollte Austragungsort der Gottesdienste des Deutschen Evangelischen Kirchentags werden. Doch von dieser Idee haben sich die Veranstalter wieder verabschiedet. Stattdessen steht die Bühne nun am Ufer – aber immerhin können die Besucher des DEKT den Abschlussgottesdienst auch weiterhin von beiden Ufern der Elbe verfolgen. Denn Schiffe kommen durch Dresden bekanntlich ja nicht allzuhäufig durch.

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