Papphocker sind grün…

von Benjamin Lassiwe

Zwei schwarze Hände umfassen ein grünes Herz. So stellt sich der Deutsche Evangelische Kirchentag, der heute abend in Dresden beginnt, zwischen dem Alpenrand und der Ostseeküste auf zahllosen Plakatwänden dar. Und das ist durchaus programmatisch zu verstehen: Denn das Herz der rund 118.000 Christen, die in diesem Jahr zum Protestantentreffen kommen, schlägt in vielen Fällen „grün“.

Themen wie der Klimawandel oder die Suche nach Frieden in Afghanistan begeistern die Kirchentagsbewegung fast schon traditionell. Und natürlich der Atomausstieg. „Der Kirchentag ist ein Ereignis und die Plattform zu einer freien Bewegung, die jeder und jedem Gelegenheit bietet, die eigene Meinung zu bekunden“, sagte Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckardt während der Eröffnungspressekonferenz. „Zur Energiewende haben wir dafür in den vergangenen Wochen noch zusätzliche neue Möglichkeiten geschaffen.“ So soll es auf dem Neumarkt neben der Frauenkirche eine offene Bühne geben, auf der Kirchentagsbesucher ihre „Sorgen, Hoffnungen und Forderungen“ zur Atompolitik der Bundesregierung zum Ausdruck bringen können.

Eine andere Aktion freilich erinnert eher an das, was der ehemalige Cottbuser Generalsuperintendent Rolf Wischnath schon vor einigen Jahren als „Selbstinfantilisierung des Protestantismus“ bezeichnete. Man färbt Papphocker grün. Ja, Papphocker, diese klassischen Sitzmöbel des Protestantentreffens. „Die Teilnehmenden sind eingeladen, die legendären Papphocker grün einzufärben, indem sie ihre persönlichen Stellungnahmen zur Energiewende auf quadratische grüne Papierbögen schreiben, die dann auf die Kartonsitze geklebt werden“, sagte Göring-Eckardt. So sollen die normalerweise braunen Sitzgelegenheiten zu „bildkräftigen Symbolen des Wandel-Willens“ werden. Welch eine Sprache, welch eine Perspektive. Und es kommt noch besser: Helferinnen und Helfer wollen mit den Papphockern eine Brücke über die Elbe schlagen. Zum Darüberwandeln, gewissermaßen.

Da freilich kann man nur hoffen, dass nicht Wind und Wetter den jugendlichen Kirchentagsbesuchern einen Strich durch die Rechnung machen. Denn ansonsten treiben am Ende lauter grün beklebte Papphocker der Nordsee entgegen. „Grün“ allerdings könnte man das dann nicht mehr nennen, eher schon braune Pampe im stinkenden Strom.

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Eine Antwort auf Papphocker sind grün…

  1. Guenter sagt:

    Gefaellt mir, dass hier regelmaessig gepostet wird.

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