Protestant Brain: Wolfgang Huber

von Wolfgang Thielmann

In Wolfgang Hubers Kopf muss es ein Archivdateisystem mit indizierter Suche geben. Es ist anstrengend und angenehm zugleich, ihm zuzuhören. Kein Gedanke, der nicht seinen richtigen Platz bekäme. Zum Beispiel beim bedingungslosen Grundeinkommen.
Gerhard Wegner, der Chef des Sozialwissenschaftlichen Instituts der evangelischen Kirche (EKD), fragt ihn auf dem Kirchentag in Dresden danach. Huber schüttelt den Kopf und bringt das Unbehagen gegenüber dem Wort mit wenigen Sätzen auf den Begriff: Nicht, weil eine soziale Absicherung falsch wäre, ganz im Gegenteil, sondern weil dieser Angang falsche Anreize setzt, wie er sagt: „Zum einen ist nichts bedingungslos n dieser Welt, nicht einmal die Freiheit.“ Und zum anderen wirkt dieser Begriff als Motivationsbremse gegen die bestmögliche Ausbildung. Die Grundanreize müssten genau gegenteilig sein: „Ausreichende Arbeit gibt es für kommende Generationen nur unter der Voraussetzung, dass man in der globalen Konkurrenz einen Qualifikationsvorsprung hat.“

Und Huber vergisst nicht. Zum Beispiel, dass er 2008, ein Jahr vor dem Ende seiner Zeit als Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche, für die Unternehmerdenkschrift der EKD kritisiert wurde. Mit ihr hieß es, habe die EKD ihren Frieden mit dem Kapital gemacht. Aber nicht ohne Kritik. Zum Beispiel mit der an der Entkoppelung von Risiko und Haftung bei Geschäften auf dem Kapitalmarkt. Schon damals hat die EKD globale Regeln für die Kapitalmärkte gefordert. Die Kritiker der Denkschrift hatten ihn einen Freund des Kapitals gescholten, so dass er einen Entlastungsangriff auf Joseph Ackermann, den Chef der Deutschen Bank, wegen dessen Gehalt startete. Jetzt muss er keine Rücksicht mehr nehmen und hält er seinen Kritikern entgegen, sie hätten ein Jahr später die Skepsis der EKD gegenüber den Kapitalmärkten bejubelt, aber sie in der Denkschrift nicht zur Kenntnis genommen.

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2 Antworten auf Protestant Brain: Wolfgang Huber

  1. Marlon sagt:

    Bemerkenswerter Artikel. Würde gern mehr Posts zu dem Thema sehen. Freu mich auf die naechsten Posts.

  2. Ich habe inzwischen den Feed gefunden, ist der Blog auch bei Facebook zu finden? Ich wuerde gerne auf Facebook auf dem laufenden bleiben.

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