Norddeutsche Synodenmüdigkeit

von Benjamin Lassiwe

Es war ein wichtiges Ereignis für die Nordelbische Kirche. Eine Nachfolgerin von Bischöfin Maria Jepsen sollte gewählt werden. Und das klappte auch, am späten Freitag abend um 21:40 Uhr im Hamburger Michel. 97 von 118 Stimmen entfielen auf die Hamburger Hauptpastorin und Pröpstin Kirsten Fehrs.

97 von 118? Moment mal, da fehlt doch wer. Schließlich hat doch die Nordelbische Synode 140 stimmberechtigte Mitglieder, die sich auch alle durch einen Stellvertreter, oder wie es in Nordelbien vermutlich heißt: durch eine stellvertretende Person, vertreten lassen können. Doch schon zu Beginn der Synode waren nur 121 Synodale in Hamburg erschienen. Dass die Abwesenheit der Anderen damit zusammenhängen könnte, dass nur zwei Frauen zur Wahl standen, die Wahl selbst mithin nicht geschlechtergerecht war, war im Pressearbeitsraum ein schnell geäußerter Verdacht. Doch Synodenpräsident Hans-Peter Strenge entkräftete ihn glaubhaft: Auch die konservativen Kräfte in der Nordelbischen Kirche würden Frauen als Bischöfin nicht mehr nur deswegen ablehnen, weil sie Frauen seien. Zumal die gewählte Kandidatin Kirsten Fehrs von ihrem Programm her durchaus konservativ erschien: Dass die Gesellschaft wieder stärker von Gott sprechen soll, gehörte ebenso zu ihren Forderungen wie weitere Anstrengungen in Sachen Mission.

Nein, es war wohl eher eine allgemeine Synodenmüdigkeit, die in Nordelbien eine Rolle spielte. Immerhin treffen sich die Kirchenparlamentarier dort nicht nur zu den Tagungen ihrer Landessynode, auch die verfassungsgebende Synode der neuen Nordkirche kommt ja regelmäßig zusammen. Und schon einmal scheiterte sie an einem Samstag Nachmittag an fehlender Beschlussfähigkeit. Weswegen die Kirchenleitungen in Nordelbien, Mecklenburg und Pommern nun eigentlich alarmiert sein müssen: Denn die nächste Tagung der verfassungsgebenden Synode findet im Maritim-Hotel (wo sonst?) in Heringsdorf auf Usedom statt. Und wenn rund 20 nordelbischen Kirchenparlamentariern und allen ihren Stellvertretern schon der Weg zur Bischöfinnenwahl in Hamburg als zu weit erscheint – wie mag das dann wohl erst in Pommern werden?

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