Das Schweigen der Männer

von Wolfgang Thielmann

Der große Dialogprozess der katholischen Kirche, eine der wichtigsten Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal der vergangenen Monate, macht von sich schweigen. Gut zwei Wochen vor seinem bundesweiten Auftakt in Mannheim gab es öffentlich weder ein Programm noch eine Einladung an die Presse. Die folgte erst am 27. Juni – für den Beginn und den Schluss.Im Terminplan auf der Homepage der katholischen Deutschen Bischofskonferenz taucht das Ereignis gar nicht auf. „Für diesen Tag gibt es keine Termine“, wird der Auskunftssuchende beschieden. 300 Teilnehmer aus Diözesen, Verbänden, Orden und geistlichen Gemeinschaften sollen sich in Mannheim über die Zukunft der katholischen Kirche austauschen. Wie zu hören ist, wird ein Wunsch des Gegenübers, des Zentralkomitees der deutschen Katholiken wohl nicht in Erfüllung gehen: Zu den Einladenden und nicht nur zu den Eingeladenen zu gehören. Und, wie gesagt, die Presse bleibt draußen, anders als etwa bei evangelischen Synoden. Führt da die Angst Regie? Der Prozess könne nur gelingen, sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch aus Freiburg, „wenn wir angstfrei miteinander reden“.

Bis 2015 soll eine Reihe von Großveranstaltungen folgen. Jedes Jahr steht unter einem Motto, ähnlich wie bei der evangelischen Kirche, die die Jahre bis 2017, dem 500. Jubiläum der Reformation, jeweils unter ein Thema gestellt hat.  In diesem Jahr behandelt die evangelische Kirche „Reformation und Freiheit“. Das Auftaktjahr des katholischen Dialogprozesses läuft unter der Überschrift „Im Heute glauben – wo stehen wir?“ Wie es heißt, gestaltet sich die Abstimmung zwischen den Bischöfen nicht gerade einfach.

Ein Indiz dafür: In den Diözesen ist der Prozess unterschiedlich weit gediehen, in Freiburg mit am weitesten. Da gibt es einen Fahrplan bis ins Jahr 2015. Und einem Ziel: Aufgrund der Gespräche sollen die 2005 verabschiedeten Pastoralen Leitlinien überarbeitet werden. Schon dieses Dokument, so etwas wie das Strategiepapier des Erzbistums, entstand in einem mehrjährigen Gespräch zwischen allen Beteiligten. Laufend wird daran weitergearbeitet. 2008 etwa wurde die Akzeptanz des Dokuments abgefragt. Freiburg hat Erfahrung mit Dialogen.

Im Bistum Essen ist ebenfalls eine Seite zum Dialog freigeschaltet, mit einem Hirtenwort von Bischof Franz-Josef Overbeck und unzensierten Reaktionen. Eine stört sich an dem bischöflich dominierten Konzept, andere daran, dass zuviel über Strukturen und zu wenig über die Botschaft der Kirche geredet wird. Auf der Homepage des Erzbistums Köln ist der Dialog bisher kein Thema. Aber es gibt eine Seite “direkt zum Kardinal“. Dort wird Erzbischof Joachim Kardinal Meisner demnächst die meistgestellte Frage beantworten. Auf Platz 1 liegt: „Erzkonservative Webseiten wie kreuz.net – Ihre Meinung?“, gefolgt von „Leidiges Thema: Homosexualität“. Seltsam nur, dass nur knapp 1500 Wähler das Thema eins wollen, aber fast 2000 die Nummer zwei. Auch in Köln gab es eine Dialog-Auftaktveranstaltung, und Kardinal Meisner persönlich hielt  einen Vortrag, in dem er sagte, es gelte vor allem, von Jesus zu reden. Die Kirchenzeitung titelte, der Dialog sei „ergebnisoffen, aber nicht ergebnislos.“

Im vergangenen Herbst kündigte Erzbischof Zollitsch den Dialogprozess an: “Wir werden ungeschminkt ausleuchten, wie wir als Kirche in Wort und Tat mit dem Vorwurf umgehen müssen, es gebe in ihr zu wenig Transparenz und zu viele Denk- und Diskussionsverbote.“ Und er ging hart mit den Bischöfen ins Gericht: „Unsere öffentliche wie auch die interne Kommunikation war nach meinem Eindruck im ersten Halbjahr nicht gerade vom Gedanken der Gemeinschaft geleitet und kaum aufeinander abgestimmt – um es milde zu sagen.“ Was das Ziel angeht, verwies Zollitsch auf einen Beitrag seines Erfurter Kollegen Joachim Wanke im Rheinischen Merkur (dessen Schließung die acht beteiligten Bistümer am gleichen Tag bekanntgaben): Eine Erneuerung der Kirche solle zu einer neuen Glaubwürdigkeit nach außen und zu einer neuen Zuversicht nach innen führen. Der Weg dazu sei die zündende Vision „einer den Menschen dienenden Kirche“.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.