Ein „Zitat“ und seine Folgen…

von Benjamin Lassiwe

Ohne Martin Luther gäbe es keinen Protestantismus. Und ohne seine Zitate wäre die evangelische Welt ein ganzes Stück ärmer. Ein Reformationsfest ohne die feste Burg, die unser Gott ist? Undenkbar. Und wäre den Evangelischen das Zitat „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“ erspart geblieben, wäre an ihnen mancher Malus (lat.: Apfel) wohl vorbei gegangen.

Möglicherweise sogar die „Apfeltage“, die nicht nur regelmäßig in Baumschulen und botanischen Gärten veranstaltet werden, sondern im Herbst auch in mitteldeutschen Kirchgemeinden stattfinden sollen. Denn als die Teilnehmer der Dritten Europäischen Ökumenischen Versammlung im legendären Zirkuszelt von Hermannstadt den Vorschlag der Orthodoxie aufgriffen, und im September einen Schöpfungstag anregten, haben sie etwas ausgelöst: Zu einer „Schöpfungszeit“ lädt der kirchliche Dienst auf dem Lande der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland nun ein, die vom 1. September bis zum 4. Oktober unter dem Motto „Zwischen Wipfeln und Wurzeln“ stattfinden soll. Schon das klingt reichlich bizarr, und erinnert irgendwie an die Brot-für-die-Welt-Konkurrenzkampagne zu „Weihnachten im Schuhkarton“, die einst unter dem Namen „Weltweit Wichteln“ bekannt wurde: Kinder sollten Bastelarbeiten in die Dritte Welt senden, und ebensolche zurückbekommen – für einen Stern aus heimischem Stroh etwa einen solchen aus Urwaldhölzern, alten Autoreifen oder anderem Schurrmurr.

Aber zurück zu „Wipfeln und Wurzeln“ zwischen Harz und Elbe. „Kirchengemeinden sind eingeladen, die die Apfelbäume vor der eigenen Haustür wiederzuentdecken“, heißt es in einer Presseinformation des „Kirchlichen Dienstes auf dem Lande“ der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. „Mit Unterstützung von Naturschützern und Landwirten ernten sie Äpfel aus Hausgärten und von Streuobstwiesen und verarbeiten sie, wo möglich, vor Ort zu Apfelsaft.“ Ein Seminar zum richtigen Obstbaumschnitt, eine Apfelsortenbestimmung mit einem Pomologen („Apfelkundler“) und einen „Apfelkuchenbackwettbewerb“ schlagen die Veranstalter zur Ausgestaltung der Apfeltage in den Kirchengemeinden vor. „Hintergrund der Aktion ist, dass Naturschutz heute dort nötig ist, wo eine traditionelle Nutzung von Flächen oder Bäumen nicht mehr rentabel ist“, heißt es in der Pressemitteilung.

Was das noch mit „Kirche“ zu tun hat? Nun, immerhin sollen die „Apfeltage“ mit einem Gottesdienst beginnen. Und der Reformationstag wird kurzerhand als „Apfelbaumpflanztag“ begangen. Dabei hat der Reformator das berühmte Apfelbaum-Zitat so vermutlich nicht einmal gesagt…

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