Verschultes „Deja-Vu“…

von Benjamin Lassiwe

Es war ein kleines „Deja-Vu“-Erlebnis. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, trat vor Journalisten, mit ihm der Konsistorialpräsident Ulrich Seelemann, dazu Vertreter freier Schulen. Öffentlich beklagten sie, dass das Land Brandenburg die Zuschüsse für Schulen in freier Trägerschaft stark reduzieren will. Die nach der Wende 1989/1990 von rührigen Elterninitiativen gegründeten Schulen gerieten dadurch in akute Gefahr. Bildung rechnet sich nicht mehr in Brandenburg.

Das hatten wir doch schon einmal? Richtig, das hatten wir schon einmal. Und zwar in Berlin, ebenfalls unter einer rot-roten Landesregierung. Damals ließ sich der damalige SPD-Landesvorsitzende Peter Strieder beim Besuch einer freien Waldorfschule zu dem legendären Satz hinreißen, dass „Kürzungen nur dort angebracht seien, wo Bekenntnisse mit öffentlichen Mitteln finanziert werden“. Das war im Februar 2002 – doch schon 2001 war der Streit zwischen den freien Schulen und dem rot-roten Senat kulminiert. Die Lehrer, die Schüler und die Eltern gingen gemeinsam auf die Straße. Ein Bündnis aller freier Schulen der Stadt wurde gegründet, von der evangelikalen Bekenntnisschule bis zu den anthroposophisch orientierten Waldorfschulen. Regelmäßig findet in Berlin seitdem der „Tag der freien Schulen“ statt.

Und die Kirchen unterstützten ihre Schulen damals mit allen Kräften, die sie hatten. Legendär ist jener Fototermin, bei dem der damalige Berlin-Brandenburgische Bischof (die Fusion mit der Oberlausitz kam erst zum 1. Januar 2004) und spätere EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber in einem Protest-T-Shirt vor der Wahlkampfzentrale der SPD demonstrierte. Später kämpfte er bekanntlich für den Religionsunterricht und gegen das liberalisierte Berliner Ladenschlussgesetz. Eher selten kam es vor, dass er mit Klaus Wowereit kein Hühnchen rupfte, sondern Erdbeeren aus den Gärten des Brandenburger Domstifts aß…

Wolfgang Huber und Klaus Wowereit essen Erdbeeren

Huber und Wowereit essen Erdbeeren (c) Lassiwe

Doch hier endet dann das „Deja-Vu“. Dass Markus Dröge so wie Wolfgang Huber auf die Straße geht, und gegen die Sparmaßnahmen demonstriert, erscheint derzeit in etwa so wahrscheinlich, wie ein Palmenstrand in Skandinavien. Der evangelische Berliner Bischof ist kein Kämpfertyp, er ist ein Vermittler. Auf einer Pressekonferenz lehnte er es ab, die Volksinitiative „Schule in Freiheit“ zu einer finanziellen Gleichstellung der freien Schulen im Land Brandenburg zu unterstützen. Wichtiger ist es, dass der Gesprächsfaden mit der Landesregierung nicht verloren geht. Ist das eine Folge von „Pro Reli“, dem gescheiterten Berliner Volksbegehren für den Religionsunterricht, dass das Verhältnis zwischen Kirchen und Senat für einige Monate vereisen ließ? Oder ist die Lage in Brandenburg derzeit einfach noch nicht ernst genug?

Zumindest im südschwedischen Trelleborg gibt es eine Palmenallee mitten in der Stadt. Zugegeben, die Pflanzen wachsen dort in Töpfen, und werden jedes Jahr im Sommer aus den Gewächshäusern geholt. Aber es wäre Markus Dröge und seiner Landeskirche durchaus zu wünschen, würde der Berliner Bischof eines Tages auch das Kämpfer-Gen in sich entdecken. Erdbeeren essen kann er mit Matthias Platzeck und seiner Regierungsmannschaft immer noch.

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