Zelten mit Mehrwert

von Benjamin Lassiwe

Es ist ein neuer Rekord. Noch bis zum 5. August kommen 1.500 Christen aus ganz Deutschland in Thüringen zusammen: Auf dem Gelände der christlichen „Familienkommunität Siloah“ in der Nähe der thüringischen Kleinstadt Neufrankenroda bauen sie ihre Zelte auf. Die „Zeltstadt Siloah“: Ein großes christliches Familiencamp mit Teilnehmern aus ganz Deutschland. Auf der schlammigen Campingwiese parken Autos aus dem Siegerland und dem Lahn-Dill-Kreis ebenso wie aus Sachsen und dem Erzgebirge.

Die Zeltstadt Siloah ist typisch für eine Mode, die sich gerade in der „frommen Szene“ Deutschlands immer weiter ausbreitet: Gemeinsamer Urlaub mit anderen Christen liegt im Trend. Das zeigt etwa das „Gemeindeferienfestival Spring“ der Deutschen Evangelischen Allianz, das im Frühjahr fromme Christen im sauerländischen Winterberg zusammenführte. Und der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) chartert regelmäßig ganze Kreuzfahrtschiffe für seine älteren Semester.

Aber was ist das nun? Ghettobildung unter Gleichgesinnten und fromme Parallelwelten selbst im Urlaub? Die Macher der „Zeltstadt Siloah“ wiegelten schon vor zwei Jahren, bei einem Besuch auf dem Gelände, ab. Es ist kein Abschotten von der Welt, es sind andere Motive, die die Camper begeistern: Der einfache Urlaub, aber auch der gelebte Glaube. Es ist die Kombination aus beidem. „Früher war ich gar nicht für Camping zu haben“, sagte Walter Lutz, einer der Teilnehmer, damals. „Aber für die Zeltstadt habe ich mir extra einen Wohnwagen gekauft.“ Ganz ähnlich sah es Detlef Kauper, der Geschäftsführer der Zeltstadt: „Bei uns gibt es keine Statussymbole, hier sind alle per Du, egal ob der andere ein promovierter Theologe oder der Hausmeister aus dem Gemeindehaus ist.“

Auch 2011 leben die Zeltstadt-Teilnehmer alle als Selbstversorger in eigenen Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen. Auf dem Campingplatz bilden sie „Dörfer“, mit einer gemeinsamen Mitte, wo die Teilnehmer miteinander essen und reden können, heißt es in einer Pressemitteilung der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, die die Zeltstadt traditionell fördert. Einkaufswagen, Hofladen, Bistro und Café böten Möglichkeiten zum Versorgen. Im Jugendzelt würden mehr als 300 Jugendliche erwartet, vier verschiedene altersgerechte Kinderprogramme seien in diesem Jahr geplant. Über 200 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgten für die Organisation und das Programm der Zeltstadt. Und sogar zwei kirchliche Hochzeiten sollen in der Zeltstadt stattfinden – damit in der schönsten Zeit des Jahres auch der schönste Tag des Lebens liegt.

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