Begegnung zweiter Art…

von Wolfgang Thielmann

Eine ökumenische Begegnung ist angekündigt. Der Papst trifft während seines Deutschlandbesuchs Ende September Mitglieder des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Ein Gespräch wurde anberaumt, nach dem halbstündigen Besuch des Doms, ebenfalls 30 Minuten lang, samt Ansprache des Pontifex.

Das ist kurz genug, aber immerhin ein Gespräch. Anschließend predigt der Papst in einem ökumenischen Wortgottesdienst. Die offizielle deutsche Internetseite des Papstbesuches, betrieben von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, listet das alles korrekt auf. Selbst der Ort des Treffens wie des Gottesdienstes ist bedeutsam: Das Augustinerkloster, das 1525 evangelisch und 1559 säkularisiert wurde. Sein berühmtester Sohn war von 1505 bis 1511 Martin Luther. Heute ist es Sitz der Propstei Erfurt-Nordhausen. Von 1996 bis Ostern 2011 unterhielten Schwestern der Communität Casteller Ring dort eine geistliche Zelle. Dann gaben sie auf. Die Entwicklung zum Tagungszentrum mit vielen Besuchern überfordere sie, lautete eine Begründung. Jetzt kommt der Papst.

Das ökumenische Spitzengespräch kam zustande nach mehreren Besuchen evangelischer Repräsentanten in Rom, in denen sie über das 500. Jubiläum der Reformation sprachen, das zwischen den Kirchen zum Verlegenheitsthema zu werden droht, und nach einem Brief des EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider. In seinem Antwortschreiben erklärte der Papst, er habe seine Mitarbeiter gebeten, mehr Zeit für das Gespräch mit der EKD vorzusehen. Was war wohl ursprünglich geplant? Und ärgern sich jetzt die Verantwortlichen in der Kurie?

Im Nachrichtenportal des Vatikans liest es sich anders als bei der Deutschen Bischofskonferenz. Da ist von keiner Begegnung mit den Protestanten die Rede. Die findet nur mit Muslimen statt, am Morgen in Berlin. Und am Folgetag in Freiburg, mit Vertretern der östlich-orthodoxen Kirchen. Ihr ranghöchster deutscher Vertreter, Metropolit Augoustinos, ein steter Gast bei allen kirchlichen Großereignissen jeder Konfession, wird den Papst übrigens zu allen Stationen begleiten. In Erfurt gibt es nach den Informationen aus Rom nur eine Rede des Papstes vor Mitgliedern des Rates der evangelischen Kirche. Der Ort ist Rom so unwichtig, dass er, als einziger, nicht genannt wird. Dann wird der Papst, so das Vatikan-Portal, an einem ökumenischen Gottesdienst teilnehmen. Ort: ebenfalls unwichtig. Predigt? Nie gehört. Rom hat eigene Vorstellungen von Ökumene.

Im März traf sich in Erfurt das Zentralkomitee der deutschen Katholiken, also die Vertretung der Laien. Eine Präsidiale berichtete über eine Begegnung mit einem Prälaten der Kurie. Der habe den anwesenden Damen und Herren die drei Gefahren für die Kirche genannt: „Communismo, Feminismo, Ecumenismo.“

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