Synodales Saufen

von Benjamin Lassiwe

Mit dem Bier in der Hand entschieden sie über das Schicksal ihrer Bischöfe: Als die Verfassunggebende Synode der neuen Nordkirche Anfang Januar in Warnemünde über die Überführung der vier Bischöfe der bestehenden Kirchen abstimmte, war draußen schon alles für den „Mecklenburger Abend“ vorbereitet. Wein und Bier standen bereit. Und weil es durch den nötigen Druck der Stimmzettel – es war geheime Abstimmung beantragt worden – eine Verfahrenspause gab, bedienten sich die Synodalen am Alkohol.

So wie schon 2009 in Ulm, bei der EKD-Synode. Dort wechselten die Kirchenparlamentarier regelmäßig zwischen SPD-Empfang und der Wahl des Rates der EKD. Überhaupt, die Empfänge: Jede EKD-Synode ist voll davon. Da gibt es den Abend der gastgebenden Landeskirchen, den Presseempfang, einen Empfang des Evangelischen Arbeitskreises der CDU und einen der Christen in der SPD. Gemeinsames Kennzeichen aller dieser Anlässe: Der Alkoholkonsum ist immens. Mehr als nur ein Synodaler hat am Ende jedes Abends einen „Käßmann“ im Blut, wie Kirchenvertreter seit der Alkoholfahrt der hannoverschen Bischöfin zu sagen pflegen. Und geradezu legendär ist die Erzählung von einem Bonner Kirchenparlamentarier, der nach einem CDU-Empfang auf der Jahrzehnte zurückliegenden Synode in Friedrichshafen gegen eine Freitreppe kämpfte…

Dass allerdings der gemeinsame Alkoholkonsum sogar zu einer Art offiziellem Programmpunkt einer Synode wird, erlebt man selten. Doch als während der Tagung der Nordkirchensynode der Haushalt der neuen Kirche beschlossen war, rief der Vorsitzende des Haushaltsausschusses seine Ausschussmitglieder zu einer Besprechung in einem Tagungsraum zusammen. So, wie es in der nordelbischen Kirche Tradition habe. „Die saufen jetzt“, raunte ein Kollege auf den Presseplätzen. Denn in Nordelbien sei es Tradition, auf den beschlossenen Kirchenhaushalt einen Schnaps zu nehmen. Und die Katholiken? Die Vollversammlungen der Deutschen Bischofskonferenz finden bekanntlich hinter verschlossenen Türen statt. Angaben zu ihrem Alkoholkonsum sind
nicht überliefert. Und vielleicht ist das auch besser so…

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Eine Antwort auf Synodales Saufen

  1. webby sagt:

    Treffend geschrieben. Und die rheinische Synode wird entscheidend in der Stammkneipe vieler Synodaler diskutiert: in der “Bayrischen Botschaft” in Bad Neuenahr.

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